
Ein Lipödem ist eine angeborene Fettgewebsverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Die Erkrankung führt zu einer symmetrischen Fettvermehrung an den Beinen, Hüften und/oder Armen, während Hände und Füße nicht betroffen sind. Anders als bei Adipositas lässt sich das Lipödem nicht durch Sport oder Diäten reduzieren. Stattdessen leiden Betroffene unter Druckschmerzen, Berührungsempfindlichkeit und einer Neigung zu blauen Flecken.
Da das Lipödem häufig mit Adipositas oder Lymphödemen verwechselt wird, bleibt die Diagnose oft über Jahre hinweg aus. Eine frühzeitige Erkennung und gezielte Behandlung sind jedoch essenziell, um Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Ursachen und Entstehung des Lipödems
Die genauen Ursachen des Lipödems sind noch nicht vollständig erforscht. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass genetische und hormonelle Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Die Erkrankung tritt häufig in hormonellen Umstellungsphasen wie Pubertät, Schwangerschaft oder den Wechseljahren erstmals auf oder verschlechtert sich in diesen Phasen.
Da das Lipödem familiär gehäuft vorkommt, wird vermutet, dass eine erbliche Veranlagung vorliegt. Zudem scheint das Hormon Östrogen Einfluss auf die Fettverteilungsstörung zu haben.
Lipödem – Symptome und Diagnose
Typische Anzeichen eines Lipödems:
- Symmetrische Fettvermehrung an Beinen, Hüften und/oder Armen
- Druckschmerzen und starke Berührungsempfindlichkeit
- Neigung zu blauen Flecken aufgrund fragiler Kapillaren
- Spannungsgefühl und Schweregefühl in den betroffenen Körperregionen
- Kein Ansprechen auf Diäten oder Sport
Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese (Patientinnenbefragung) und körperlicher Untersuchung. Ein erfahrener Facharzt oder eine erfahrene Fachärztin erkennt die Erkrankung anhand der typischen Körperdisproportionen und Schmerzsymptome.
Besonders wichtig ist der sogenannte Palpationstest: Hierbei wird die Haut vorsichtig abgetastet, um die Schmerzhaftigkeit des Unterhautfettgewebes zu überprüfen. Moderne Diagnoserichtlinien raten von bildgebenden Verfahren wie MRT oder Ultraschall ab, da diese keine verlässlichen Aussagen zur Erkrankung liefern.
Stadien des Lipödems
Ein Lipödem entwickelt sich schleichend und wird in drei Stadien eingeteilt:
- Stadium 1: Glatte Hautoberfläche mit verdicktem Unterhautfettgewebe
- Stadium 2: Dellenbildung und unebene Hautstruktur
- Stadium 3: Hartes, derbes Gewebe mit deutlicher Hautwammenbildung
Der Schweregrad sagt jedoch nichts über die Schmerzintensität aus – bereits im ersten Stadium können Betroffene starke Beschwerden verspüren.
Lipödem – Konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten
Zwar lässt sich ein Lipödem nicht durch Diät oder Sport heilen, dennoch gibt es Maßnahmen, um Beschwerden zu lindern. Eine davon ist die sogenannte Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Diese besteht aus:
- manueller Lymphdrainage (MLD) zur Verbesserung des Lymphflusses
- Kompressionskleidung, die das Gewebe stabilisiert und Schwellungen reduziert
- gezielter Bewegungstherapie, um die Lymphzirkulation anzuregen
- Ernährungsumstellung, um entzündliche Prozesse zu minimieren
Diese Maßnahmen müssen lebenslang durchgeführt werden und können die Fettvermehrung nicht stoppen. Sie können jedoch eine Linderung herbeiführen.
Operative Behandlung: Liposuktion
Die einzige Methode, um die krankhaften Fettzellen dauerhaft zu entfernen, ist die Liposuktion (Fettabsaugung). Bei der Liposuktion wird das überschüssige Fettgewebe gezielt und schonend entfernt.
Die Vorteile der Liposuktion:
- Schmerzlinderung bei 90 % der Patienten und Patientinnen
- Verbesserung der Beweglichkeit und Lebensqualität
- Reduktion der Fettmengen, die durch konservative Therapie nicht beeinflussbar sind
- Möglichkeit, Kompressionskleidung langfristig zu reduzieren oder abzulegen
Die Kosten für eine Liposuktion werden bisher nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen. Je nach Stadium sind meist drei bis vier Operationen erforderlich.
Fazit – Lipödem: Warum eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig ist
Da das Lipödem in den frühen Stadien oft übersehen wird, ist es umso wichtiger, die Symptome rechtzeitig zu erkennen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht es, gezielt therapeutische Maßnahmen einzuleiten und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Während die konservative Therapie Linderung verschafft, ist die Liposuktion die einzige Möglichkeit, die krankhaften Fettpolster dauerhaft zu entfernen.
Weitere Informationen:
- Lymphologischer Informationsdienst rainer h. kraus: Liposuktion – Methoden und Besonderheiten – https://www.lipoedemportal.de/liposuktion-methoden.htm
- Lipödem: Symptome erkennen und behandeln: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Lipoedem-Symptome-erkennen-und-behandeln,lipoedem104.html
Lipödem: Wenn Fettzellen sich ungebremst vermehren: https://www.aerzte.de/gesundheitsratgeber/lipoedem-wenn-fettzellen-sich-ungebremst-vermehren